E-Kissing: Küssen übers Internet wird Realität

Japan: dieses Land ist für viele Dinge bekannt. Insbesondere aber für seine technisch fortschrittlichen Apparate. Ein sehr kleiner und sehr spezieller Bereich dieser Apparate sind Erfindungen, die auf ihre ganz eigene Art funktionieren. In ihrer eigenen Logik sind sie vollkommen stimmig, erfüllen die ihnen gestellte Aufgabe hervorragend und sind doch, zumindest auf den ersten Blick, zugleich vollkommen nutzlos.
Ein Beispiel dafür sind die so genannten “Nekomimi”, künstliche Katzenohren, die sich je nach Stimmung des Trägers entweder aufrichten oder flach an den Kopf legen. Hier besteht Potenzial für die Entwicklung einer Gerätesteuerung zum Beispiel für Querschnittsgelähmte.

Eine weitere Erfindung dieser Art ist in den Kajimoto Laboratories entstanden. Nobuhira Takahashi hat sie vorgestellt. Seine eventuell einmal die Welt revolutionierende Erfindung: Eine Maschine, die Küsse über das Internet überträgt. Sie besteht aus einem Kasten, der ein bisschen wie ein Lautsprecher wirkt. Auf der Rückseite befinden sich einige Kabel, die zu einem Computer laufen. An der Vorderseite befindet sich ein Plastikröhrchen mit einem Knick darin. Ein “Küssender” bewegt nun mit seiner Zunge das Röhrchen. Gleichzeitig werden Atmung und Feuchtigkeit gemessen. Diese Werte werden dann über das Internet an ein zweites Gerät übertragen. Dieses Gerät macht nun genau das nach, was mit dem ersten Gerät passiert ist. Der “Kuss” ist somit übertragen.

Der “Kuss-Übertrager” ist ohne Zweifel noch in einer frühen Phase und lässt sich sicherlich verbessern. Dennoch muss man sich fragen, wer dieses Gerät tatsächlich für den beabsichtigten Zweck benutzen würde. Matrosen oder Arbeiter auf einer Bohrinsel kommen einem dabei wohl als Erstes in den Kopf. Liebende, die weit entfernt voneinander leben. Vielleicht der Manager auf seiner Geschäftsreise auf einem anderen Kontinent. Es ist durchaus vorstellbar, dass ein Mensch fern von der geliebten Person für jede zusätzliche Kommunikationsmöglichkeit dankbar ist. Auch eine Geschäftsausweitung der Telefonsexbranche, immerhin ein großer Markt, ist denkbar.

Der Wissenschaftler erwähnt auch die Möglichkeit, die Küsse aufzuzeichnen. Neben der Kuss-Konserve des Liebhabers sind auch hier kommerzielle Angebote denkbar. Möglich wäre zum Beispiel die Aufzeichnung des Kusses einer romantischen Szene des nächsten Blockbusters. Oder als Dreingabe zur CD des nächsten Popsternchens. Garantiert original! Insbesondere im nicht gerade an Fetischen armen Japan wäre dies keine wirkliche Überraschung. 

Doch wie auch immer, es steht fest: Selbst mit der größten Anstrengung wird es wohl kaum möglich sein, das Erlebnis eines echten Kusses auch nur annähernd nachzubauen. Und es wird wohl auch immer ein komisches Gefühl mit dabei sein, eine Maschine zu küssen.

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